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Dipl. Ing. Heinz Plöchinger wurde in Niederbayern, Deutschland, geboren. Sein Studium der Elektrotechnik absolvierte er in München. Bereits während seiner ersten Beschäftigung in einem Unternehmen, welches elektronische Teile produzierte, war er im Bereich Meßverfahren tätig. Danach arbeitete er in der Entwicklungs- und technischen Consulting-Abteilung einer Meß- und Steuertechnikfirma, deren Niederlassung er in München führte. Im Jahr 1970 gründete Heinz Plöchinger seine eigenes Unternehmen, die Thyracont Elektronik GmbH. Thyracont ist mittlerweile ein weltweit anerkannter Spezialist für Vakuumsensoren, Vakuumtransducers, Vakuumkontroller und -Systemregler. Daneben hält Dipl. Ing. Heinz Plöchinger zahlreiche Patente im Bereich Sensorik. Diese vertreibt er über seine Patentrechtsfirma "Plöchinger Patent", mit Sitz in Österreich.

 

 

"Mensch, Genie, Unternehmer"

Auszüge aus dem "Passuer Almanach 1", Süd-Ost-Verlag Waldkirchen

 

 

 


 

"Wie man aus Nichts etwas macht"

Von Jan Dermietzel

Heinz Plöchinger tüftelt. Den Capuccino macht der Chef selbst. Aber nicht oft. "Wassertank leer" leuchtet es auf dem Display der Kaffeemaschine. "Wo füllt man das ein?" Er öffnet erst eine Klappe rechts, dann links. Heinz Plöchinger zieht den Edelstahlautomaten unter dem Küchenschrank hervor und findet die richtige Öffnung. Der Kaffee fließt. "Naja." Heinz Plöchinger ist Diplom-Ingenieur.

Der Wahl-Passauer ist der einzige Unternehmer in Deutschland, der Vakuum-Messgeräte herstellt und entwickelt. Und zwischen Oslo, Bangkok, Kapstadt und New York vertreibt. 13 Angestellte helfen ihm dabei. Plöchinger misst das Nichts, das der Kühlflüssigkeit in einem Motor vorausgehen muss, wenn sie wirken soll. Eine Schweizer Supermarktkette röstet Bohnen für Instantkaffee im luftleeren Raum, damit sich das Aroma nicht verflüchtigt. Und auch wer Oberflächen fremdkörperfrei bedampfen möchte, kommt nicht ohne Vakuum aus. Die Welt braucht Messgeräte. Und sie kauft sie bei Plöchingers Firma Thyracont.

1943 kam Heinz Plöchinger auf einem Bauernhof im niederbayerischen Mauth zur Welt. Als achtes Kind eines Waldbauern. Im Holzhaus, ohne elektrisches Licht. Spielzeug gab es nicht – außer Hühnern, Schweinen und Kartoffelkäfern. Heinz Plöchinger bedauert jedes Kind, das mit Industrie-Spielwaren aufwächst. "Wie soll man denn da Kreativität entwickeln?"

Mit einem Ast im Schnee, nicht mit Stiften, hat er erste Zeichnungen geübt. Statt auf einem Karussell saß er im Sommer auf einem Findling. "Eine himmlische Kindheit." Alt werden wollte er im Bayerischen Wald aber nicht. Er ging nach München und wurde mit 21 Jahren der jüngste Ingenieur Deutschlands. "Trotz Studiengebühren" und einer Vorliebe für das Ausschlafen. Sein erster Chef befahl ihm, stets morgens um sieben zum Experimentieren anzutreten. Dass Plöchinger nachts voller Leidenschaft im Labor stand, interessierte nicht. "Ich schwor, mich selbständig zu machen."

Bis heute hält der Unternehmer die Schreibmaschine in Ehren, auf der er seine erste Rechnung getippt hat. Im Regal daneben: Sein erstes Produkt. Ein bruchsicherer Vakuum-Messer aus Metall. "Vorher waren die aus Glas." Dutzende Geräte hat Plöchinger seitdem entwickelt und sich 2002 in Chicago den "R&D 100 Award" abgeholt, eine Art Daniel-Düsentrieb-Oscar.

Die Amerikaner ehrten ihn für eine Erfindung, die er in Deutschland schon 1993 vorgestellt hatte – erfolglos. Das wurmt den 60-Jährigen, der seinem Staat eigentlich dankbar ist für den Werdegang, "den ich hier zurücklegen durfte". Wenn Plöchinger über das heutige Deutschland spricht, verliert sein sonst bedächtiger Duktus alle Behaglichkeit. Unter den auffällig rostroten Locken ziehen sich die Brauen zusammen. "Die Innovationsoffensive der Bundesregierung entbehrt jeglicher Substanz."

Den Mittelstand werde die Regelungswut der Politiker bald zu Tode bürokratisiert haben, prophezeit er. Und das in dem Land, in dem Otto von Guerike 1657 die Luftpumpe erfunden und das Vakuum entdeckt hat. Plöchinger kann nur den Kopf schütteln.

Sein Privathaus steht in Österreich. Der Blick auf den Bayerischen Wald sei dort so schön, sagt er. Geld gibt er für "Unsinn" aus. Träume erfüllt er sich, dann sind sie abgehakt. Sein Mercedes SL ist 13 Jahre alt. Als Student mit zuviel Monat am Ende des Geldes konnte er sich in einem teuren Hotel in Starnberg einmal den Eisbecher nicht mehr leisten. Er lieh sich kein Geld. Er ging zum Badesteg und schwor, an diesem See ein Haus zu bauen. Gesagt, 20 Jahre später getan. Heute verkauft. "Es war nicht meine Welt."

Plöchinger liebt Anekdoten. Gerne holt er aus. "Meine Tochter sagt, ich schwalle die Leute zu." Seinen zwei erwachsenen Kindern hat er vor siebeneinhalb Monaten einen Bruder geschenkt. Dem würde er am liebsten eine Jugend bereiten, wie er sie genossen hat. Ohne Playmobil, ohne Playstation. Mit Findling, Ästen und Kartoffelkäfern. Und im Winter Eiszapfen an der Fensterbank neben dem Bett. Doch diesen Buben nicht verwöhnen? "Das ist täglich meine größte Herausforderung", sagt Plöchinger und lacht.

Aktualisiert (Montag, den 13. Februar 2012 um 15:50 Uhr)